Die Internationale Seilertagung 2026 in Montreux bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Seiler- und Netzmacherhandwerk nicht nur fachlichen Austausch auf höchstem Niveau, sondern auch inspirierende Einblicke in Geschichte, Forschung und Kundenorientierung. Vor der beeindruckenden Kulisse des Genfersees trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Branche aus verschiedenen Ländern, um über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven des Handwerks zu diskutieren.
Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf Innovationen im Bereich technischer Fasern und Seile. Besonders großes Interesse weckte der Vortrag von Rudolf Hufenus von der Schweizer Forschungsinstitution Empa. Er zeigte eindrucksvoll, welche Möglichkeiten moderne Multikomponenten-Filamente heute bieten – von hochbelastbaren Kunstrasenfasern über leitfähige Textilien bis hin zu intelligenten Flüssigkern-Filamenten für Medizin, Sensorik und Sicherheitsanwendungen. Die Präsentation machte deutlich, wie stark sich traditionelle Seil- und Flechttechnik mit moderner Materialforschung verbindet und welche Chancen daraus für neue Produkte und Anwendungen entstehen.
Einen ganz anderen, aber ebenso praxisnahen Blick auf unternehmerischen Erfolg vermittelte der Vortrag „Kundenorientierung aus Sicht eines Butlers“. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Unternehmen langfristige Kundenzufriedenheit schaffen können. Nicht allein Produktqualität oder Preisgestaltung seien entscheidend, sondern vor allem Aufmerksamkeit, Zuverlässigkeit und persönliche Wertschätzung im Umgang mit Kunden. Besonders eindrucksvoll war die Aussage, dass rund 68 Prozent aller Kundenverluste auf mangelnde Aufmerksamkeit zurückzuführen seien. Freundlichkeit, Zuhören und ein professioneller Umgang mit Reklamationen wurden als zentrale Erfolgsfaktoren hervorgehoben – Botschaften, die gerade auch für Handwerksbetriebe von hoher Aktualität sind.
Neben den Fachvorträgen bot das Rahmenprogramm Gelegenheit, die Region Montreux und ihre Geschichte kennenzulernen. Ein Höhepunkt war die Besichtigung des berühmten Schlosses Chillon am Genfersee. In einer lebendigen historischen Einführung wurde die bewegte Geschichte der mittelalterlichen Festung erläutert – von der Herrschaft der Savoyer über die Gefangenschaft des Freiheitskämpfers François Bonivard bis hin zur literarischen Verewigung durch Lord Byron in seinem Gedicht „Der Gefangene von Chillon“. Die Teilnehmer erfuhren dabei auch, wie eng die Geschichte des Schlosses mit den historischen Handelswegen Europas verbunden war.
Die Internationale Seilertagung zeigte einmal mehr, wie vielseitig und zukunftsorientiert das Seiler- und Netzmacherhandwerk aufgestellt ist. Traditionelles Know-how, moderne Materialtechnologien und kundenorientiertes Denken ergänzen sich dabei zu einem starken Fundament für die Zukunft der Branche. Gleichzeitig bot die Veranstaltung wertvolle Gelegenheiten zum persönlichen Austausch und zur Pflege internationaler Kontakte – ein wichtiger Beitrag für die Weiterentwicklung des Handwerks in Europa.